PASSIONSSPIELE KIRCHSCHLAG 2010 - Der Text PDF Drucken E-Mail

Josef NeumairHofrat Professor Josef Neumair (1877 - 1960), Direktor der Lehrerbildungsanstalt in Wien, und Präsident des Österreichischen Bundesverlages verfasste 1923 ein Passionsspiel das die Grundlage für die 1932 in Kirchschlag geplanten und verwirklichten Passionsspiele bildete.

Neumair wagte den Versuch, das Theatermäßige stärker als bei anderen Passionsspielen hervor zu kehren, die Szenen zu runden, dem Zeitverständnis anzupassen und sich dabei auch der Tradition der alten Bauernspiele anzunähern. Die Worte Christi sind - in eigener Übersetzung - genau der Hl. Schrift entnommen. Einige Passagen, die das Wirken Jesu widerspiegeln, wurden zum Beispiel dem „Einzug in Jerusalem" zugeordnet.

Anlässlich der Drucklegung seines Spieles im Heiligen Jahr 1950 hat er bescheiden zu seinem Werk angemerkt:

„Dieses Passionsspiel will keine Dichtung sein und erhebt keinen Anspruch auf literarische Wertung, auch nicht auf Originalität."

Bis an sein Lebensende feilte Neumair an seinem Werk, indem er immer wieder notwendige sprachliche und szenische Änderungen vornahm. Noch 1960 änderte er die Schluss-Szene. Er war nie ganz zufrieden mit seinem Werk, das schon so vielen Menschen Erbauung gebracht hatte. Die österreichische Dichterin Erika Mitterer trifft mit ihrem Urteil sicher das Richtige, wenn sie dem Autor ihren Respekt zollt:

„.... der sowohl Ehrfurcht hatte wie auch die nötige Unbefangenheit, ohne die ein solches Unternehmen nicht glücken könnte."

 

Josef NeumairErika Mitterer verfasste für das Passionsspiel im Heiligen Jahr 1975 einen neuen Prolog, der noch immer Verwendung findet.

Nach dem Tod von Professor Neumair wurde der Text des Passionsspieles immer wieder im Sinne des Verfassers ergänzt, erweitert und dem Zeitverständnis angepasst. Diese literarischen Ergänzungen erfolgten jeweils durch die Pfarrer der Gemeinde, wobei sich hier der langjährige Spielverantwortliche Monsignore Heinrich Plank besonders hervorgetan hat. Für die Spielsaison 1990 fügte der begnadete Judasdarsteller Kurt Leidenfrost die Szene „Vor dem Tor" in das Spiel ein.

Für die Spielsaison 2000 überarbeitete der neue Regisseur, Rainer Holzbauer, den bisherigen Text und die Inszenierung. Manches wurde völlig neu konzipiert, gestrafft oder auch erweitert: so zum Beispiel die Einfügung der Fußwaschung beim Abendmahl und die Neuinszenierung von Marienklage, Auferstehung und Sendung. Dadurch wurde nach den partiellen Änderungen der letzten 70 Jahre wieder ein „roter Faden" durch das Spiel gezogen.

Diese letzte Bearbeitung des Textes sollte dem Spiel die jugendliche Dynamik des Passionsspieles der frühen Jahre zurückgeben und im neuen Jahrtausend erhalten.